700 Jahre Alsberg

Alsberger Dorfverein e.V.

700 Jahre Alsberg  1313 - 2013

Bericht von Herrn Dr. Hanna


700 Jahre Alsberg



2013 feiert Alsberg zwei runde Geburtstage:


500 Jahre Kircheneinweihung und 700 Jahre Ersterwähnung


von Richard Pfahls


Bei der hessischen Verwaltungsreform erfolgte für Alsberg mit Hausen am 1. Janaur 1970 an der Anschluss an die Stadt Salmünster. Damit hatte der eigenartige Grenzverlauf zur Stadt Salmünster sowie die gegenseitige Verwaltung, einst wurde Alsberg von den Herren des Schlosses Hausen mitverwaltet, dann wurde der Weiler Hausen von Alsberg mitregiert, ein freiwilliges Ende gefunden. Die Verhandlungen zur Übernahme konnten bereits 1969 geführt werden. Die Gemeinde Alsberg, mit Bürgermeister Karl Müller, hat sozusagen die Verwaltungsreform im Altkreis Gelnhausen begonnen und vollzog den ersten freiwilligen Zusammenschluss im Altkreis Schlüchtern unter Bürgermeister Josef Leistenschneider aus Salmünster. Die Stadt Bad Soden-Salmünster mit allen Stadtteilen wurde am 1. Juli 1974 durch Gesetz eingerichtet.


Die Geschichte des Gebietes beginnt nicht 1313 mit der Ersterwähnung, dabei handelt es sich um den ersten urkundlichen Nachweis, um den Verkauf von Teilen des Ortes und der Flur an den Herren von Küchenmeister. Eine Siedlung war zu jener Zeit sicherlich vorhanden. Archäologen sind der Meinung, dass schon vor ca. 8000 Jahren die Mittelgebirgsregion des Spessarts besiedelt war. Die landwirtschaftliche Nutzung war schon immer sehr dürftig, die Buntsandsteinböden gaben einen mageren Ertrag. Den Gipfel der Landnutzung kann man ins vorige Jahrhundert ansiedeln, als die Zahl der Menschen stark wuchs und Lebensmittel haltbar gemacht und zunehmend beschränkt transportiert wurden, noch nicht global über die ganze Erde. Im gesamten Geschichtsverlauf spielten die Industriegüter sowie das Transportwesen im Spessart eine übergeordnete Rolle. Die geologische Besonderheit des Überlagerns von Basalt über den viel älteren Buntsandstein ergibt eine bevorzugte Lage, aus der man auf einem Berg immer genügend Quellen für eine Wasserversorgung hatte. Außerdem konnten die Menschen in früherer Zeit am Bewuchs der Oberfläche erkennen, ob verwendbares Material im Boden vorhanden war. Dabei handelte es sich um Ton und Lehm als Grundmaterial für Gefäße und Baustoffe. Erzhaltige Gesteine, bevorzugt im Übergangsbereich von Basalt und Buntsandstein, zur Produktion von Waffen und Fahrzeugen. Ebenso die Produktion von Energie aus Kohlenmeilern für die Heizung von herrschaftlichen Anwesen, zur Eisenverhüttung, zum Brennen von Irdenen Gefäßen, Töpfen und Ziegeln, zur Glasherstellung und dem Salz sieden. Holzkohle hatte gegenüber Holz einen riesigen Gewichtsvorteil, wegen des Fuhrwerktransports. Außerdem konnte man mit Holzkohle und verschiedenen Lehmofentechniken höhere Temperaturen erzielen, eine wichtige Voraussetzung für die Glas und Metallproduktion. Mit dem Begriff Energie findet man sich in aktuelle Diskussion versetzt. Voraussetzung für Energieproduktion waren Waldbestände, die man im Spessart zu allen Zeiten fand.


Das Transportwesen hat einen gleichwertig aktuellen Bezug, wie die Industrie. Begriffe wie Mottgers-Spange oder drei- bis viergleisig durch das Kinzigtal, oder A 66 und A 7, sowie A 45 und A 3, geben uns in jede Richtung einen vorzüglichen mobilen Einstieg. In grauer Vorzeit kürzte man Strecken gerne ab und man versuchte Höhenunterschiede ökonomisch zu nehmen. Bergauf und bergab fahren war mit Zugtieren immer abenteuerlich. Die vielen Hohlwegtrassen in den Wäldern des Joßgrundes, um Bad Orb, aber auch in unserer unmittelbaren Umgebung sind der Beweis für rege Mobilität. Auf dem Eselsweg, der heute ein Wanderweg des Spessartbundes ist, wurden unter anderem Salzsäcke auf Eselrücken transportiert. Der Spessart ist eins der wenigen Gebirge das rundum von Flüssen, d.h. Wasserstrassen umgeben ist, in alter Zeit Verkehrsachsen, Tangenten in alle Richtungen. Das Verpackungsmaterial für empfindliche Waren sind Fässer gewesen, in denen Glasprodukte auf Fuhrwerken und Binnenschiffen bis nach Holland und von dort teilweise bis nach Amerika transportiert wurden. Das Rohmaterial der Fässer, die Fassdauben wuchsen im Spessart und wurden von der Holzindustrie gefertigt. Spessarteichen sind sehr bekannt gewesen, bevor der Kunststoff erfunden wurde und die Metallindustrie kostengünstige Behälter anbieten konnte. Nicht erst im 21. Jahrhundert, als in Meerholz der Mittelpunkt der EU entdeckt wurde, nein schon im Mittelalter und davor, war unser Gebiet ein zentraler Verkehrsknotenpunkt in Europa. Frammersbacher Fuhrleute erlebten Blütezeiten nach dem Dreißigjährigen Krieg. Ihr Bekanntheitsgrad steigerte sich durch die Zuverlässigkeit, mit der sie Güter und Waren im europäischen Raum bewegten und Wohlstand in ihre Heimat brachten. Viele dieser Vorgänge spielten sich in der Alsberger Umgebung ab, sie hatten jedoch nur einen mittelbaren Einfluss auf die Dorfentwicklung. Umso erstaunlicher ist es, dass Alsberg niemals ganz ausgestorben ist, wie einige Orte in der Umgebung. Beispiel sind Auerbach zwischen Ahl und Steinau, Alte Dorfstelle zwischen Steinau und Marjoß, Graue Ruh zwischen Bad Orb und Wirtheim. Die Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg mit fünf Herdstellen hätte dem Dorf den Todesstoss leicht versetzen können. Heutzutage sind wir durch die A 66 optimal an den Strassenverkehr angebunden. Die Kombination einer ruhigen Lage mit tollem Verkehrsanschluss lässt Alsberg in eine optimistische Zukunft blicken.


Bericht zur Grenzsteinwanderung im Juni 2017